Erfahrungsbericht zur FQ-Vorbereitung

von Noël Kaeppel

Eigentlich hatte ich ja gar nicht vor, ein Vorbereitungsseminar zu machen.
Nachdem ich die BU mithilfe der vom DLR angebotenen CBT-Module bestanden hatte, und die derzeit übliche, lange Wartezeit auf einen FQ-Termin mit meinem Studium verbrachte, informierte ich mich nebenbei in diversen Foren, Büchern und über Bekannte über die kommende Aufgabe in Hamburg.
Einige Quellen rieten mir von einem Seminar ab, andere hielten es für unabdingbar und ich selbst wägte pro und contra ab und war nach wie vor unentschlossen.
Was mich schließlich überzeugte, war die Tatsache, dass der Großteil der Bewerber eine derartige Vorbereitung macht. Und auch wenn die Psychologen des DLR wohl ohne Zweifel in der Lage sind, die Nachteile eines nicht professionell vorbereiteten Bewerbers zu berücksichtigen, so geht es doch vor allem auch um das Gefühl der Sicherheit, des Zutrauens in die eigenen Fähigkeiten. Und darum, alles Mögliche getan zu haben um am Prüfungstag (im Optimalfall an den beiden Prüfungstagen) seine beste Leistung zu zeigen.
Zusätzlich wurden Gerüchte um ein neues Gruppenspiel laut, dass so ganz widernatürlich nur am PC stattfinden sollte.

Erfahrungsbericht zur FQ-Vorbereitung

Dies alles, verbunden mit der Empfehlung eines guten Freundes, überzeugten mich, das Geld zu investieren und nach Regensburg zu fahren. Von der Vimana GmbH hatte ich ehrlich gesagt vor dem Tipp des besagten Freundes noch nie etwas gehört aber ein Besuch auf der Website lieferte mir die nötigen Informationen und ich rief spontan an. Keinen Monat später war ein Platz frei und ich sagte zu. Alles war herrlich unkompliziert und nach diesem Gespräch hatte ich ein noch viel besseres Gefühl bei der Sache.
Am nächsten Morgen hatte ich eine Mail mit der Simulator- und der BBT-Software im Postfach und konnte anfangen mich vorzubereiten.

Und dann war es auch schon November und ich fuhr mit dem Zug nach Regensburg. Ich übernachtete in der Jugendherberge um meinen Geldbeutel zu schonen und lag damit goldrichtig. Im doppelten Sinne: Zum einen war es eine wirklich angenehme Atmosphäre, auch wenn der Gourmet vermutlich nicht auf seine Kosten kommt, zum anderen aber waren es keine fünf Minuten bis in die Bruderwöhrdstraße.
Dahin begab ich mich dann auch am nächsten Morgen, nachdem ich abends zuvor noch eine kleine Tour durch das schöne Regensburg gemacht hatte.
Dort angekommen, traf ich auch gleich meine beiden Mitstreiter und kurz darauf wurden wir von Herrn Matthias Schwarz sehr nett begrüßt und in die Büroräume der Vimana geführt. Es war eine sehr entspannte Atmosphäre, perfekt um sich wohl zu fühlen und zusammen weiter zu kommen.
Den Vormittag des ersten Tages verbrachten wir, nach einer kurzen Planung der kommenden drei Tage, mit einer ersten Trainingseinheit in Sachen BBT und dem Sim. Da wir nur zu dritt waren, übten immer zwei den Dualmodus des Beladetests, während der dritte den Simulator flog. Herr Schwarz, den wir im Übrigen duzten, eilte zwischen uns hin und her und gab Tipps und Empfehlungen.
Und dann war auch schon Mittagspause und wir gingen gemeinsam essen. Und bei sehr gutem Essen wurden Geschichten erzählt, Fragen beantwortet und Zukunftsplanungen ausgetauscht.
Am Nachmittag dann versuchten wir uns in Streitgesprächen.
Hierzu stieß Frau Dipl. Psych. Stefanie Orthuber als Verstärkung zu uns, um uns zu beurteilen und mit entsprechendem Feedback zu helfen uns zu verbessern.
Da nun auch eine reizende junge Frau mit im Raum saß, hatte das nebenbei auch den Effekt, dass die Nervosität vor dem Streitgespräch merklich stieg und sich den Realbedingungen in Hamburg annäherte.
Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen, machte der Nachmittag wirklich großen Spaß. Nachdem wir abgestimmt hatten, dass alle mit im Raum bleiben sollten, kamen wir abwechselnd an die Reihe und mussten uns entweder einer angefressenen Stefanie oder einem miesepetrigen Matthias stellen und Kompromisse in schwierigen fiktiven Situationen finden. Nach jedem Thema gab es ein Feedback, positive und weniger gut gelungene Dinge wurden herausgearbeitet, Verbesserungsvorschläge gemacht und notiert. Das Ganze war wirklich spannend, nicht nur wegen der teils aussichtslosen Situationen, sondern vor allem wegen der Ratschläge, die wir bekamen. Körpersprache, einzuhaltender Abstand, Tonfall etc…
Und mindestens mir (ich bin mir allerdings sicher, dass es den anderen nicht anders ging) nahm es außerdem eine gewisse Hemmschwelle, und die Unsicherheit, wie man so ein Gespräch eigentlich am besten angehen sollte.
Damit war der erste Tag auch schon vorbei und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen. ich verbrachte den Abend in der Stadt, aß gut zu Abend und ging nach dem Besuch der ein oder anderen Bar relativ zeitig ins Bett.

Der nächste Tag begann damit, dass einer meiner Mitstreiter sein Interview absolvierte, während wir anderen beiden die Möglichkeit bekamen, uns auf weitere eventuelle Streitgesprächsthemen vorzubereiten, entsprechende Argumente auflisteten und uns sozusagen den jeweiligen Masterplan eruierten.
Wie das Interview lief, bekamen wir nicht mit, aber wenn ich seinen Gesichtsausdruck richtig gedeutet habe, lief es wohl ganz gut für den Kandidaten.
Danach gingen wir zum Gruppenspiel über, welches wir, beobachtet von Stefanie und Matthias gleich mehrmals absolvierten, jeweils unterbrochen von einer Rückmeldung zu unserem Abschneiden. Unterschiedliche Strategien wurden diskutiert, individuelle Ratschläge erteilt und die optimale Vorgehensweise erarbeitet.
Das war sehr hilfreich, da das „neue“ Gruppenspiel sich doch stark von dem gewohnten Typus unterscheidet.
Danach war wieder Mittagspause, wieder mit gutem Essen und guten Gesprächen; außer während des Essens versteht sich, denn wir alle hatten gehörigen Appetit.
Am Nachmittag starteten wir eine weitere Runde unserer BBT-Sim-Kombi. Einer flog, die anderen beiden beluden Brücken. Und langsam gewannen wir an Routine.
Den Abend verbrachte ich ähnlich wie den vorangegangenen, nutzte das verbleibende Tageslicht um mir Regensburg anzuschauen, aß zu Abend und rekapitulierte nochmal alles, was wir an diesem Tage so besprochen hatten.

Der Mittwochmorgen begann mit dem Auschecken aus der Jugendherberge und einem dürftigen Frühstück. Schick Anziehen war angesagt, denn an diesem Tag sollte ich mein Interview bekommen. Leicht nervös aber eher gespannt machte ich mich dann auf den Weg.
Und es lief gut. Ausgestattet mit meinem Lebenslauf, den zehn Fragen des Bewerbungsbogens, sowie dem ausgewerteten 16PF-Test prüften mich Stefanie und Matthias auf Herz und Nieren. Persönliche Fragen, technische und LH-spezifische Fragen, es war von allem etwas dabei. Das Gespräch ging etwa 30 Minuten und länger noch ging die Evaluation und das Feedback. Es war sehr lehrreich und gab einem die große Möglichkeit zu erfahren, wie man selbst und das, was man so von sich gibt, eigentlich ankommt. Außerdem kann man kritische Fragen und Themen ausführlich besprechen und erörtern.
Nach überstandenem Interview führten wir noch ein paar Streitgespräche und versuchten das umzusetzen, was wir beim letzten Mal vielleicht nicht so gut gemacht hatten.
Tja, und dann war es auch schon vorbei, wir verabschiedeten uns von Stefanie und Matthias und versprachen in Kontakt zu bleiben.
Meine beiden Kollegen und ich gingen danach noch gemeinsam essen, ließen die letzten Tage noch einmal Revue passieren, tauschten Adressen aus und gingen danach unserer Wege. Mein Zug sollte erst am späten Nachmittag fahren und so verbrachte ich die verbleibende Zeit mit Sightseeing und Kaffeetrinken.

Wenn ich jetzt auf das Seminar zurückblicke, kann ich nur konstatieren, dass ich wahnsinnig froh bin, es mitgemacht zu haben. Erstens war es eine sehr lustige Zeit mit allen Beteiligten und nebenbei hat es mir in allen Belangen weitergeholfen.
Vor allem die Praxis in Streitgespräch und Interview ist durch nichts zu ersetzen und hat mir großes Selbstvertrauen gegeben.
Auch das Gruppenspiel war enorm lehrreich und ermöglicht es mir jetzt ganz anders an die Sache heranzugehen; entspannter, überlegter und mit der Überzeugung, es schaffen zu können.
Und natürlich ist auch das Fliegen am Sim Yoke mit keinem Joystick zu vergleichen und hat mir die Möglichkeit gegeben, unter absolut vergleichbaren Bedingungen wie in Hamburg Kurse zu fliegen, die so oder zumindest sehr ähnlich auf mich zukommen werden.
Und über allem steht natürlich ein unglaubliches Volumen an Information, an Tipps und Ratschlägen, an Feedback und Verbesserungsvorschlägen. Und nicht zuletzt aus diesem Grund kann ich wirklich jedem, der vorhat die FQ zu bestehen, empfehlen, an diesem Seminar teilzunehmen. Und nebenbei ist Regensburg eine wunderschöne Stadt, die in vielen Bereichen so einiges zu bieten hat.